
Winston Churchill beschrieb Russland als „Rätsel in einer Box“. Dies gilt auch heute noch für das größte Land der Welt. Die meisten Menschen haben nur eine geringe Vorstellung von den wirklichen Zuständen dort. Die Mischung aus der dekadenten Herrlichkeit des alten Russlands und des schrecklichen Erbes der Zeit der Sowjetunion ergeben ein Land voller Geheimnisse und Machenschaften.

Es ist ein Land mit extravaganten Palästen, äußerst kalten Wintern, sich dahinschlängelnden Flüssen und majestätischen Bergen, mit Physikprofessoren und ausverkauften Balletvorführungen, legendärem Wodka und einer Sonne die im Hochsommer niemals untergeht. Die Menschen sind leidenschaftlich und unverwüstlich. Obwohl sie zuerst sehr ernst wirken, haben sie auch ihre freundliche Seite und sind begeisterte Geschichtenerzähler und großzügige Gastgeber. Mikhail Baryshnikov, Leo Tolstoi und Maria Sharapova sind nur einige der bekannten Gestalten Russlands, deren Geist, Haltung und Prosa die ganze Welt positiv beeinflusst haben. Vergessen wir nicht Alexander Popov, den Erfinder des Radios und den hochgeschätzten Dmitri Medeleev, der das Periodensystem und Wodka entwickelte.
Russland hat mit 148.8 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Bevölkerung der Welt. Es besteht aus 130 Nationen und ethnischen Gruppen und bedeckt zwischen Europa und Asien ein Achtel der Weltoberfläche. Weite Steppen und Gebirgszüge mit einem Reichtum an Bodenschätzen bestimmen die Landschaft.

Die Architektur ist glorreich und abstoßend zugleich, so wie die Geschichte bewegend und monströs ist. Russland besitzt sensationelle Kunstwerke. Mit dem Ende der Sowjetunion kam es zu einem Wiederaufleben der Zeit vor dem Kommunismus und einer Suche nach den nationalen Wurzeln. Im ganzen Land werden Kirchen wieder restauriert, russische Schriftsteller, deren Werke einst verboten waren, kommen zu neuen Ehren und der einzigartige Charakter der alten Gemeinden kommt wieder zum Vorschein.
Die Hauptstadt Moskau wurde 1147 gegründet und ist Russlands mystischer Zufluchtsort. Die Stadt verfügt über eine Anzahl von Palästen, Befestigungsanlagen und Kirchen- eine mittelalterliche Festung die die moderne Nation mit ihrer legendären Vergangenheit verknüpft. Groß, schön, brutal und faszinierend schlägt das Geheimnis Russland jeden Reisenden in seinen Bann.

Die beste Reisezeit ist im Mai, Juni, September und Oktober wenn in Russland nach dortigen Standards milde Temperaturen von 1°C- 25°C herrschen. Im Juni und August regnet es viel und in den Wintermonaten von November – März ist es bitterkalt und die Tage sind dämmrig und kurz. Auf der anderen Seite sind die schneebedeckten Landschaften wunderschön und es gibt im Januar und Februar die besten Skibedingungen. Hüten Sie sich vor fallenden Eiszapfen im Frühling (März/April). Das Klima in Russland reicht von der Arktis, bewaldeter Tundra und Mischwäldern bis zu Halbwüsten.

Russland hat eine lange und dramatische Geschichte, die sich wie eine epische Geschichte voller Herzschmerz und Blutvergießen liest. Die vielleicht bekanntesten und wichtigsten Ereignis in der Geschichte Russlands hängen mit Peter dem Großen, Katherina der Großen, dem Vaterländischen Krieg 1812, der Russischen Revolution 1917 und dem 2. Weltkrieg zusammen.

Die Anfänge liegen in der Gründung von Novgorod 862 v. Chr. durch den Wikinger Rubrik aus Jutland, obwohl die erste Besiedlung der Gebiete Russlands bis in die Jungsteinzeit (4000-2000 v. Chr.) zurückreicht.
Jahrhunderte des Wohlstands kamen im 13. Jahrhundert mit dem Einfall der Mongolischen Tartaren zu ihrem Ende und die Mongolenherrschaft dauerte bis 1480. Im 16. Jahrhundert litt Russland unter der Herrschaft Ivan des Schrecklichen, dessen Streifzügen in die Wolgaregion Polen und Schweden zum Opfern fielen. Dies hatte spätere Auswirkungen auf Russland, denn als die 700 jährige Rurikid Dynastie mit dem kinderlosen Fyodor zu ihrem Ende kam, rächten sich die Schweden und Polen und beanspruchten den russischen Thron unter schrecklichem Blutvergießen.
1613 begann schließlich eine neue Dynastie unter dem 16 jährigen Mikhail Romanov, die bis zum Jahre 1917 anhielt. Peter der Große, der mächtigste Herrscher, besiegte die Schweden und ließ eine neue Hauptstadt in Sankt Petersburg bauen.
Am 25. Dezember 1761 wurde Peter III, ein Enkel Peter des Großen, zum Zar gekrönt. In weniger als einem Jahr endete seine Herrschaft, da er sich mit dem gesamten Hofstaat anlegte und so schließlich seine Frau Katherina unter großer politischer und öffentlicher Unterstützung zur neuen Herrscherin ausgerufen wurde. Eine Woche nachdem Peter seine Abdankung vorgelegt wurde, war er tot.
Katherina die Große wurde zur mächtigsten Herrscherin in Europa. Sie gründete das Hermitage Museum, ließ zahlreiche Gebäude in ganz Russland bauen und gründete Akademien, Zeitschriften und Bibliotheken.
Nach ihrem Tod 1796 kam ihr Sohn Paul I an die Macht. Pauls Herrschaft dauerte nur 5 Jahre und war ein komplettes Desaster. Seine Sohn Alexander I wird als Herrscher zur Zeit Napoleons epischer Russischer Feldzüge erinnert.

Napoleons Russische Feldzüge 1812 auch Vaterländischer Krieg genannt, waren der Anfang vom Ende des Reichs Napoleons. In Russland wurde seine Große Armee zerstört. Obwohl Russland nach der Zeit Napoleons stärker als je zuvor war, begannen die internen Spannungen zuzunehmen.
Das 19. Jahrhundert begann dank Napoleon mit Pauken und Trompeten und endete in Tumult. Die kommenden 100 Jahre führten zur Revolution 1917. Die Leibeigenen wurden 1861 befreit und es kam zu einer wachsenden Opposition gegen die Unterdrückung durch die autokratische Herrschaft des Zaren. Die Bauern waren aufgebracht, da sie für das Land das sie als ihr Eigentum betrachteten bezahlen mussten, Liberale forderten eine Verfassungsreform nach dem Vorbild Westeuropas und Terroristen machten 1881 einen Anschlag auf Alexander II. Viele Radikale flohen, unter ihnen der berühmte Vladimir Ulyanov, besser bekannt als Lenin.

Nach der erniedrigenden Niederlage im Krieg gegen Japan (1904-1905) unter dem jungen und ziellosen Nicholas II kam es zu weiteren Tumulten. Nach dem Massaker an Zivilisten am Petersburger Blutsonntag kam es zu massiven Streiks und Morden an Industriellen. Sozialdemokraten bildeten Arbeiterverbände (Sowjets) und ein Generalstreik im Oktober 1905 brachte das Land in die Knie. Der Zar musste schließlich nachgeben und erlaubte die Gründung des ersten Parlaments (Duma), nur um es dann wieder aufzulösen nachdem er die Forderungen der Linken nicht mochte. Die russischen Verluste im 1. Weltkrieg schürten die Aufstände.
Aus dem Exil zurückgekehrt, gründete Lenin die Kommunistische Partei und führte sie an der Seite von Leon Trotski 1917 in die Russischen Revolution. Die Russische Revolution führte zum Ende der Zarenherrschaft und zur Erschaffung der kommunistischen Sowjetunion. Zar Nicholas II war der letzte Herrscher Russlands von 1895-1917. Er wurde samt Frau und Kindern hingerichtet.

Leon Trotski wurde unter Lenin zum Führer der Sowjetunion. Nach Lenins Tod wurde Trotski ins Exil verbannt und später Opfer eines Attentats.
Die ökonomischen Auswirkungen der Revolution waren verheerend und fanden ihren Höhepunkt in der Hungersnot von 1920-21. Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) wurde 1922 gegründet und nach dem Tod Lenins im Januar 1924 kam es durch seinen Nachfolger Stalin zu einem neuen Weltrekord an Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Millionen wurden hingerichtet oder in sibirische Konzentrationslager verbannt.

Russlands Nichtangriffspakt mit Deutschland führte zum 2. Weltkrieg, in dem Hitler und Stalin zuerst Staaten unter sich aufteilten. Die Wende kam 1941 mit Hitlers Barbarossa Operation die zu einem blutigen Krieg führte, dem ein sechstel der Bevölkerung zum Opfer fiel.
Nach Kriegsende wurde bald klar, dass die „Befreiung“ Osteuropas durch die Sowjetunion eine Fehlbezeichnung war. Russlands Kontrolle über fast ganz Osteuropa war der Schlüssel zu seiner Weltmachtstellung. Stalin führte die unvorhersagbaren Säuberungen wieder ein und im Kalten Krieg erklärte er die westliche Ideologie zum neuen Feindbild.

Nach Stalins Tod 1953 kam Nikita Krushchev an die Macht und versuchte langsam die stalinistischen Elemente der Partei zu verändern, lieferte aber dreist Waffen an Kuba. Seine Bemühungen wurden von dem konservativen Brezhnev und der waghalsigen Politik JFKs zu Nichte gemacht. Trotz zunehmender Unterdrückung, kam es zu immer mehr Regimekritikern. Der Wandel war nicht mehr aufzuhalten und das schlechte Image Russlands wurde schließlich von der Ikone Mikhail Gorbatschow generalüberholt.

Gorbatschow führte politische und ökonomische Reformen ein und appellierte für mehr Offenheit. 1988 lies er Wahlen abhalten um die Macht von der Partei zu einem neuen Parlament zu überführen. Reduzierte Repression führte schließlich zur Unabhängigkeit von 15 Sowjetrepubliken. Die baltischen Republiken waren die Wegbereiter. Der reduzierte Einfluss und eine ernste Wirtschaftskrise brachten Gorbatschow inneren Unfrieden.
1990 existierte die Sowjetunion nicht mehr, sondern die Gemeinschaft Unabgängiger Staaten (GUS). Am 25. Dezember trat Gorbatschow zurück und um Mitternacht am 31.Dezember wurde die sowjetische Flagge auf dem Dach des Kremls durch die russische Dreifarben Flagge ausgetauscht. Es folgte eine Zeit der korrupten Beamten, Financiers und Gangster und es kam zu einem Anstieg von Drogenmissbrauch, organisierten Verbrechen und Mord.

Ein reaktionärer Coup im August 1991 führte zur Machtergreifung Boris Yeltsins, eines noch radikaleren Nachfolgers. Die Yeltsin Ära wird durch die Globalisierung der russischen Wirtschaft gekennzeichnet. 1999 sahen die Dinge noch düsterer aus, denn Yeltsin entließ die Regierung auf regulärer Basis und die Wirtschaft verschlechterte sich dramatisch.

Im März 2000 wurde Vladimir Putin der neue Präsident Russlands. Russland wurde nach der OPEC zum größten Ölexporteur und zum Erstaunen Vieler besserte sich das wirtschaftliche Klima. Zur Jahrtausendwende hatte Moskau nach New York die meisten Milliardäre der Welt.
Russlands militärische Stärke allerdings geriet ins Wanken. Im August 2000 ging das Atom U-Boot Kursk mitsamt der Besatzung in der Barentssee unter. Der Krieg in Tschetschenien hielt an. 120 Personen starben bei der Stürmung eines Moskauer Theaters, in dem tschetschenische Rebellen die Zuschauer als Geiseln genommen hatten. Eine ähnliche Geiselnahme in der Schule von Beslan im September 2004 kostet über 300 Menschen, die Hälfte davon Kinder, das Leben.
Es wird ersichtlich, dass Russland nicht zum ersten Mal von Tragödien und Veränderungen heimgesucht wird. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert ist Russland auf seiner höchsten Stufe in Sachen Entwicklung und Sanierung und der Tourismus wächst aus Neugierde auf dieses beeindruckende Land.































